Zu wenig Testosteron beim Mann: Symptome, Ursachen und was hilft

Von Beatrix Roidinger, klinische Sexologin · Veröffentlicht am 3. Januar 2025 · Zuletzt aktualisiert am 31.08.2026
Zu wenig Testosteron zeigt sich bei Männern vor allem durch nachlassende Lust auf Sex, Erschöpfung, Antriebslosigkeit und geringere Belastbarkeit. Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon und der Motor der Libido – sinkt der Spiegel dauerhaft, wirkt sich das oft zuerst auf das sexuelle Verlangen aus.
In diesem Beitrag erfährst du, was Testosteron im Körper bewirkt, welche Symptome bei einem Mangel auftreten, welche Ursachen dahinterstecken und wie du deinen Testosteronspiegel auf natürliche Weise wieder ins Gleichgewicht bringst.
Was ist Testosteron und warum ist es so wichtig?
Testosteron ist das wichtigste männliche Sexualhormon. Es gehört zur Gruppe der Androgene und wird hauptsächlich in den Hoden produziert sowie eine kleinere Menge auch in den Nebennieren. Männer haben im Vergleich zu Frauen 10- bis 20-mal höhere Testosteronwerte. Testosteron beeinflusst fast alle Bereiche der männlichen Gesundheit:
Testosteron ist auch der Motor für deine Libido, steuert also deine Lust auf Sex.
Wie wirkt Testosteron auf das sexuelle Verlangen?
Testosteron aktiviert Bereiche im Gehirn, die für Erregung und sexuelle Aktivitäten verantwortlich sind. Besonders im Hypothalamus – dem Steuerzentrum für sexuelles Verhalten – bindet sich Testosteron an spezielle Rezeptoren und regt so die Libido an.
Ein gesunder Testosteronspiegel sorgt dafür, dass das sexuelle Verlangen steigt, die Spermienproduktion angeregt wird und die Erektion stabil bleibt.

Zu wenig Testosteron – was passiert mit der Libido?
Zu wenig Testosteron führt bei Männern häufig zu einer nachlassenden Libido, weil das Hormon direkt auf die Gehirnregionen wirkt, die sexuelles Verlangen steuern. Neben der geringeren Lust auf Sex gehören auch Erschöpfung, allgemeine Antriebslosigkeit und geringere Belastbarkeit zu den typischen Symptomen.
Wenn du merkst, dass deine Lust auf Sex nachlässt, könnte ein Testosteronmangel der Grund sein.
Der richtige Ansprechpartner ist hier der Androloge. Andrologen sind sozusagen die „Männerärzte“ unter den Medizinern. Sie vereinen Fachwissen aus der Urologie, Endokrinologie (Hormonlehre) und Dermatologie (Haut). Dieser Experte ist besonders bei Themen der Sexualmedizin wichtig.
Symptome: Woran erkennst du zu wenig Testosteron?
Ein niedriger Testosteronspiegel zeigt sich beim Mann durch eine Reihe körperlicher, seelischer und sexueller Anzeichen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
Treffen mehrere dieser Punkte über längere Zeit zu, lohnt sich eine ärztliche Abklärung des Hormonstatus.
Wie beeinflusst das Alter den Testosteronspiegel?
Mit zunehmendem Alter sinkt der Testosteronspiegel bei Männern – das ist ganz normal. Bereits ab Ende der Zwanziger nimmt das Testosteron jedes Jahr um etwa 1-2 % ab. Dieser langsame Rückgang bleibt oft zunächst unbemerkt, bis er sich in einer verringerten Libido oder anderen Symptomen zeigt.
Dieser langsame Rückgang bleibt oft zunächst unbemerkt, bis er sich in einer verringerten Libido oder anderen Symptomen zeigt.

Sind Männer mit einem hohen Testosteronspiegel „geiler“?
Eine Studie der „London School of Hygiene and Tropical Medicine“, die im „Journal of Sex Research“ veröffentlicht wurde, hat gezeigt, wie sich Testosteron auf das Sexualverhalten von Männern auswirkt. In dieser Untersuchung beantworteten 1.599 Männer Fragen zu ihren Sexualgewohnheiten und ihrem Testosteronspiegel. Das Ergebnis ist eindeutig.
Männer mit hohem Testosteronspiegel:
Fest steht also: Ein hoher Testosteronspiegel fördert das sexuelle Bedürfnis und führt zu einem aktiveren Sexualleben.

Zusammenhang von niedrigem Testosteronspiegel und erektiler Dysfunktion
Ein niedriger Testosteronspiegel kann zu erektiler Dysfunktion führen, ist aber selten der alleinige Auslöser.
Während bei jüngeren Männern oft psychische Faktoren dominieren, spielen im Alter organische Ursachen und der natürliche Rückgang des Testosterons eine größere Rolle. Kritisch wird es meist erst bei einem deutlichen Hormonmangel, der auch durch chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Herzprobleme begünstigt wird.

Wir arbeiten mit einer von uns entwickelten Methode auf 4 Ebenen: der körperlichen Ebene, der mentalen Ebene, der Ebene der Kommunikation und Beziehung sowie der Ebene der sexuellen Selbstsicherheit. Alle Ebenen bedingen einander wechselseitig.
Beeinflusst Testosteron die sexuellen Fantasien?
Ja! Testosteron wirkt nicht nur auf deinen Körper, sondern auch auf deinen Geist. Wie bereits erwähnt, regt es Gehirnregionen an, die für sexuelles Verlangen und Erregung zuständig sind. Dadurch hast du häufiger sexuelle Fantasien und setzt dich generell intensiver mit Sexualität auseinander.

Wie wirkt sich der Testosteronspiegel auf die Fruchtbarkeit aus?
Ein ausgewogener Testosteronspiegel ist auch entscheidend, um die Fruchtbarkeit zu unterstützen. Das Hormon fördert den Prozess der Spermatogenese, der dafür sorgt, dass die Spermien beweglich und funktionsfähig bleiben. Ein zu niedriger Testosteronspiegel kann also die Spermienproduktion und -qualität negativ beeinflussen, was die Zeugungsfähigkeit verringert.

Achtung bei Testosteron aus der Spritze!
Auch ein zu hoher Testosteronspiegel, zum Beispiel durch den Missbrauch von Testosterontherapien oder anabolen Steroiden, ist problematisch. Die Idee, mit Testosteron-Spritzen Vitalität, Muskeln und Libido zu boosten, mag verlockend klingen, birgt aber erhebliche Risiken. Solche Eingriffe können die natürliche Hormonproduktion des Körpers lahmlegen.
Das heißt: Der Körper verlernt dann, selbst Testosteron zu produzieren. Studien deuten darauf hin, dass Testosteronpräparate unter anderem das Risiko für Krebs, Herzinfarkte und Thrombosen erhöhen könnten. Statt auf künstliche Hormone zu setzen, solltest du dein Testosteron also lieber auf natürliche Weise boosten.
Teste deinen Testosteronspiegel!
Wenn du wissen möchtest, wie es um deinen Testosteronspiegel steht, kannst du das ganz einfach testen lassen. Ein Arzt kann deinen Hormonstatus durch eine Blutuntersuchung präzise bestimmen. Alternativ gibt es auch Heimtests, die dir einen ersten Hinweis geben können – allerdings sind diese weniger genau.

Wie kann man den Testosteronspiegel natürlich steigern?
Zu wenig Testosteron lässt sich bei Männern oft auf natürliche Weise steigern – vor allem durch regelmäßiges Krafttraining, ausreichend Schlaf und gezielten Stressabbau.
Hier sind die wichtigsten Faktoren:
Können bestimmte Lebensmittel den Sexualtrieb verbessern?
Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung kann ebenfalls helfen, deinen Testosteronspiegel auszugleichen.
Besonders wichtig sind:
Indem du diese Lebensmittel in deine Ernährung integrierst, kannst du deinen Sexualtrieb auf natürliche Weise ankurbeln.
Können Erkrankungen die Libido beeinträchtigen?
Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angstzustände und chronischer Stress können den Testosteronspiegel senken und dadurch die Libido beeinträchtigen. Ebenso können Krankheiten wie Diabetes, Herzerkrankungen und Bluthochdruck das Hormongleichgewicht negativ beeinflussen und sowohl die Libido, als auch das allgemeine Energieniveau senken. Achte daher sowohl auf deine psychische als auch auf deine körperliche Gesundheit.
Fazit – Zusammenhang zwischen Testostoronspiegel und Sexualtrieb
Zu wenig Testosteron beeinträchtigt bei Männern vor allem die Libido, kann aber ebenso Energie, Stimmung und Fruchtbarkeit betreffen – in den meisten Fällen lässt sich der Spiegel jedoch mit einem gesunden Lebensstil auf natürliche Weise wieder steigern.
Testosteron hat einen entscheidenden Einfluss, wenn es um die männliche Gesundheit und das sexuelle Verlangen geht. Ein ausgewogener Testosteronspiegel sorgt nicht nur für eine gesunde Libido, sondern unterstützt auch die Fruchtbarkeit und das allgemeine Wohlbefinden. Mit einem gesunden Lebensstil, regelmäßiger Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und effektiver Stressbewältigung kannst du deinen Testosteronspiegel auf natürliche Weise steigern.

Häufige Fragen zu zu wenig Testosteron bei Männern
Testosteron-Spritzen sollten nur bei einem medizinisch festgestellten Mangel und unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt werden. Ohne Notwendigkeit angewendet, können sie die natürliche Hormonproduktion hemmen und Risiken für Herz und Kreislauf mit sich bringen. In vielen Fällen ist die natürliche Steigerung der bessere Weg.
Zu wenig Testosteron lässt sich am zuverlässigsten über eine Blutuntersuchung beim Arzt feststellen, idealerweise morgens, da der Spiegel dann am höchsten ist. Heimtests geben einen ersten Hinweis, sind aber weniger genau als eine ärztliche Bestimmung.
Ein niedriger Testosteronspiegel kann zu Erektionsproblemen beitragen, ist aber selten die alleinige Ursache. Vor allem bei jüngeren Männern spielen psychische Faktoren eine größere Rolle. Deshalb ist ein ganzheitlicher Ansatz sinnvoll, der Hormone, Körper und Psyche gemeinsam betrachtet.
Am wirksamsten sind regelmäßiges Krafttraining, ausreichend Schlaf, gezielter Stressabbau und eine Ernährung mit viel Zink, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren. Diese Maßnahmen unterstützen die körpereigene Testosteronproduktion, ganz ohne künstliche Hormone.
Zu den häufigsten Ursachen zählen der natürliche altersbedingte Rückgang ab Ende der Zwanziger, chronischer Stress, Schlafmangel, Übergewicht sowie Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme und Depressionen. Auch bestimmte Medikamente können den Testosteronspiegel senken.
Als Orientierung gilt ein Gesamttestosteron unter etwa 12 nmol/l (rund 350 ng/dl) als niedrig, ein Wert unter 8 nmol/l gilt als deutlicher Mangel. Entscheidend ist aber nicht allein der Laborwert, sondern ob gleichzeitig typische Symptome bestehen. Die Beurteilung gehört immer in ärztliche Hände.
Zu wenig Testosteron zeigt sich beim Mann durch nachlassende Lust auf Sex, Erschöpfung, Antriebslosigkeit, geringere Belastbarkeit, schwächere Erektionen sowie eine Abnahme von Muskelmasse und eine gedrückte Stimmung. Meist ist die verminderte Libido das erste spürbare Anzeichen.
Quellen
Roidinger, Beatrix (2023)
Best Lover (Buch/Hörbuch) – So spürst du mehr, steuerst besser deine Lust und fühlst dich freier beim Sex.
Goldegg Verlag.
https://www.best-lover.de/buch
Best Lover Academy / Redaktion
Sexualtherapeutische Inhalte, Coaching-Praxis und redaktionelle Beiträge
https://www.best-lover.de/blog/
Beatrix Roidinger ist klinische Sexologin, Sexualberaterin und psychologische Beraterin. Sie ist Gründerin von Best Lover, einem Zusammenschluss aus Sexualberater:innen, Sexolog:innen und Urologen. In der Best Lover Academy - dem größten deutschsprachigen Online Coaching Programm - hat sie bereits tausenden Männern bei der Behebung ihrer sexuellen Probleme geholfen.
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