Anorgasmie beim Mann: Wenn der Orgasmus ausbleibt – Ursachen, Symptome

Wenn der Orgasmus ausbleibt, obwohl körperlich alles zu funktionieren scheint, kann Anorgasmie dahinterstecken.
Anorgasmie beim Mann gehört zu den stark belastenden sexuellen Herausforderungen. Der Körper ist erregt, die Lust ist da und trotzdem bleibt der Höhepunkt aus. Für viele Männer kommt das unerwartet und kratzt am männlichen Selbstbild. Dieser Beitrag zeigt, warum ein Orgasmus manchmal nicht gelingt, obwohl scheinbar alles funktioniert, welche Ursachen dahinterstecken und warum Anorgasmie kein Dauerzustand sein muss.
Was bedeutet Anorgasmie?
Anorgasmie beschreibt das anhaltende oder wiederholte Ausbleiben des Orgasmus. Wichtig: Anorgasmie hat nichts mit Impotenz (erektile Dysfunktion) oder Lustlosigkeit (Libidoverlust) zu tun. Das heißt: Du hast Verlangen, bist sexuell erregbar (auch eine Erektion kann entstehen), aber du erreichst keinen Höhepunkt mehr. Sex fühlt sich dann oft wie Arbeit an.
Formen der Anorgasmie
Es gibt drei verschiedene Formen der Anorgasmie:
Warum das Thema Männer häufiger betrifft, als viele denken
Laut Studien leiden etwa 5-10% der Männer irgendwann im Leben unter Orgasmusschwierigkeiten. Die Dunkelziffer ist aber deutlich höher, weil nur wenige offen darüber sprechen. Viele Männer denken, dass “das schon wieder vergeht”. Aber das ist falsch. In Wahrheit kann sich eine Anorgasmie chronifizieren: Ohne Behandlung bleibt das Problem oft bestehen oder verschlimmert sich sogar mit der Zeit.
Was sind die Ursachen für Anorgasmie beim Mann?
Der Orgasmus entsteht nicht im Penis, sondern im Zusammenspiel von Körper, Erregungsmodus, Nervensystem, Atmung, Emotionen und Psyche. Bei einer Anorgasmie ist dieses Zusammenspiel oft gestört.

Psychische Faktoren von Anorgasmie
Stress gilt als einer der größten Lustkiller in der männlichen Sexualität. Viele Männer, die von Anorgasmie betroffen sind, zeigen sich im Job und Alltag als besonders leistungsfähig, kontrolliert und verantwortungsbewusst. Diese Daueranspannung wirkt sich jedoch massiv auf das Sexleben aus.
Steht das Nervensystem unter großer Spannung, bleibt der Körper im Alarmmodus. Genuss ist in diesem Zustand kaum möglich. Der Orgasmus braucht Loslassen, nicht Kontrolle. Wer ständig “funktioniert”, hat verlernt, sich hinzugeben.
Zu Stress zählen Leistungsdruck, Versagensängste und Schamgefühle rund um Sexualität. Konflikte in der Beziehung, negative Glaubenssätze oder frühere Traumata können den Orgasmus ebenfalls blockieren.
Typische Gedanken bei Anorgasmie:
Je mehr Druck entsteht, desto stärker blockiert dein Körper.

Körperliche (medizinische) Ursachen: Nerven, Hormone, Medikamente
Körperliche Erkrankungen oder Zustände können die Orgasmusfähigkeit ebenfalls beeinträchtigen.
Typische Beispiele sind:
Gewohnheiten durch Pornos und Masturbation
Ein oft tabuisiertes Thema ist die Art der Selbstbefriedigung. Schnelles, mechanisches Masturbieren, oft kombiniert mit intensivem Pornokonsum, konditioniert den Körper auf sehr spezifische Reize:
Beim Sex mit Partnerin fehlen diese Reize häufig. Die Folge: Erregung ist da, aber sie reicht nicht mehr für den Orgasmus. n diesen Fällen ist die Anorgasmie die direkte Folge einer antrainierten Reaktionsweise des Körpers auf isolierte Reize.
Einfluss von Beziehungsdynamik und fehlender Intimität
Viele Menschen brauchen beim Sex emotionale Sicherheit. Wenn diese fehlt, Konflikte ungelöst sind oder eigene Bedürfnisse unterdrückt werden, zieht sich der Körper zurück. Anorgasmie kann dann Ausdruck innerer Distanz sein: zu sich selbst oder zur Partnerin.
Ebenso ist es wichtig zu wissen, was wirklich erregt und das auch in der Partnerschaft auszudrücken. Denn oft muss sich der Mann eingestehen, dass er vielleicht nicht (mehr) den Sex hat, der ihn wirklich erregt.
Symptome und Warnzeichen: Woran du Anorgasmie erkennst
Die Symptome einer Anorgasmie sind oft subtil und werden von Betroffenen zunächst nicht als Funktionsstörung wahrgenommen. Häufig beginnt es mit einer schleichenden Verzögerung des Höhepunkts, bis dieser schließlich ganz ausbleibt. Um das Problem zu lösen, ist es wichtig, die spezifischen Warnsignale des Körpers und der Psyche richtig zu deuten und von anderen sexuellen Herausforderungen abzugrenzen.
Unterschied zu Erektionsproblemen oder Lustlosigkeit
Bei Anorgasmie ist die Lust meist vorhanden. Auch eine Erektion kann entstehen. Der Unterschied ist, dass die Erregung keinen Abschluss findet. Der Orgasmus bleibt aus.
Wenn Erregung da ist, aber kein Höhepunkt folgt
Typisch ist ein Zustand von “Erregung ohne Tiefe”. Der Körper ist stimuliert, aber innerlich angespannt. Viele Männer spüren ihren Körper in so einer Situation kaum noch. Die Gedanken kreisen, der Atem bleibt flach, das Becken hält fest. Der Körper schützt sich vor Kontrollverlust und blockiert den Orgasmus.
Emotionale Begleiterscheinungen
Wenn der Orgasmus ausbleibt, ist das auch eine emotionale Belastung.
Typische Folgeerscheinungen sind:

Wann solltest du professionelle Hilfe suchen?
Der Weg aus der Anorgasmie beim Mann beginnt oft mit der Erkenntnis, dass das bloße „Abwarten“ den inneren Druck meist nur erhöht. Professionelle Unterstützung ist immer dann sinnvoll, wenn das Ausbleiben des Höhepunkts zu einer emotionalen Belastung wird, die Partnerschaft leidet oder du dich in einem Kreislauf aus Leistungsdruck und Versagensangst gefangen fühlst.
Sexualtherapie & Männercoaching
Wirksame Sexualtherapie setzt nicht bei “Techniken” an, sondern bei der Wiederverbindung von Körper, Lust und Selbstwert.
Im Best-Lover-Ansatz lernen Männer:
So lässt sich Anorgasmie nachhaltig lösen. Denn einen Orgasmus kann man nicht erzwingen.
Wann medizinische Abklärung sinnvoll ist
Wenn Anorgasmie plötzlich auftritt, länger anhält oder von anderen körperlichen Symptomen begleitet wird, solltest du das von einem Arzt abklären lassen (z.B. Bluttests auf Hormonwerte, Untersuchungen der Nervenfunktion).
Organische Faktoren (z.B. hormonelles Ungleichgewicht, Nervenverletzungen) müssen gezielt behandelt werden. Auch eine Blutdruck- oder Blutzucker-Kontrolle ist sinnvoll, da beispielsweise Diabetes oder Bluthochdruck mit sexuellen Störungen einhergehen können. Und last but not least ist es immer wichtig, mögliche Medikamente ärztlich zu besprechen. Manchmal braucht man ein anderes Präparat.

Warum Offenheit kein Zeichen von Schwäche ist
Tabus und Schweigen helfen nicht weiter – im Gegenteil: Je früher du das Problem ansprichst, desto schneller gibt es Lösungen. Viele Männer haben Hemmungen, weil sie denken: “Das wird schon wieder” oder sie fühlen sich unzulänglich.
Doch Anorgasmie ist keine Dauerdiagnose. Ein offenes Gespräch mit der Partnerin oder mit einem Therapeuten/Coach schafft Verständnis und reduziert deinen Leistungsdruck. Bei Best Lover bieten wir dir einen sicheren Rahmen, um ohne Schuldgefühle Ängste oder Fantasien zu besprechen. Diese Offenheit ist der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zu einem erfüllten Sexleben.
Fazit: Anorgasmie ist behandelbar
Anorgasmie beim Mann ist kein Endpunkt, sondern ein Wendepunkt. Sie zeigt, dass dein Körper mehr Präsenz und mehr Authentizität einfordert. Es geht nicht darum, mehr zu machen, sondern mehr zu spüren. Wenn du bereit bist, alte Muster zu hinterfragen und den Kontakt zu deinem Körper neu aufzubauen, kannst du die Orgasmushemmung überwinden und wieder das Sexleben führen, das du dir wünscht.

Q&A
Anorgasmie beim Mann bezeichnet das anhaltende oder wiederholte Ausbleiben des Orgasmus, obwohl sexuelle Erregung, Lust und oft auch eine Erektion vorhanden sind. Das heißt: Du kannst ganz normal Sex haben, kommst aber nur schwer oder gar nicht zum Höhepunkt.
Nein. Bei Erektionsproblemen entsteht keine oder keine ausreichende Erektion. Bei Anorgasmie hingegen ist die Erektion meist möglich, der Orgasmus bleibt jedoch aus. Es handelt sich also um zwei unterschiedliche sexuelle Funktionsstörungen.
Die Ursachen für Anorgasmie sind meist vielschichtig. Häufige Auslöser sind psychischer Stress, Leistungsdruck, Angst oder Scham, aber auch körperliche Faktoren wie hormonelle Veränderungen, Nervenirritationen oder Medikamentennebenwirkungen. Ebenso spielen Pornokonsum, Masturbationsgewohnheiten und Beziehungsthemen eine große Rolle.
Ja. Dauerstress ist einer der häufigsten Gründe für Anorgasmie beim Mann. Wenn das Nervensystem permanent im Anspannungsmodus ist, fällt es dem Körper schwer, loszulassen. Das ist jedoch eine zentrale Voraussetzung für den Orgasmus.
Intensiver Pornokonsum und sehr mechanische Masturbation können den Körper auf bestimmte Reize konditionieren. Beim partnerschaftlichen Sex fehlen diese oft, wodurch der Orgasmus ausbleibt. In solchen Fällen ist Anorgasmie eine erlernte Reaktionsweise.
Ja. Anorgasmie ist in den meisten Fällen gut behandelbar. Je nach Ursache helfen Sexualtherapie, Männercoaching, Körperarbeit, Veränderungen der Masturbationsgewohnheiten oder, falls nötig, medizinische Abklärung. Wichtig ist, das Thema aktiv anzugehen.
Wenn der Orgasmus über längere Zeit ausbleibt, Leidensdruck entsteht oder sich das Sexualleben deutlich verändert, ist professionelle Unterstützung sinnvoll. Auch bei plötzlichem Auftreten oder begleitenden körperlichen Symptomen sollte eine medizinische Abklärung erfolgen.
Quellen
Roidinger, Beatrix (2023)
Best Lover (Buch/Hörbuch) – So spürst du mehr, steuerst besser deine Lust und fühlst dich freier beim Sex.
Goldegg Verlag.
https://www.best-lover.de/buch
Best Lover Academy / Redaktion
Sexualtherapeutische Inhalte, Coaching-Praxis und redaktionelle Beiträge
https://www.best-lover.de/blog/
World Health Organization (WHO)
ICD-11 – Disorders of Sexual Function
https://icd.who.int/browse11/l-m/en
American Psychiatric Association (APA)
Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) – Sexuelle Funktionsstörungen
https://www.psychiatry.org/psychiatrists/practice/dsm
McMahon, C. G. (2019)
Ejaculatory Disorders and Orgasmic Dysfunction in Men, Journal of Sexual Medicine.
https://www.jsm.jsexmed.org/article/S1743-6095(19)30475-0/fulltext
Waldinger, M. D. (2015)
Male Orgasmic Disorders: Diagnosis and Treatment
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https://www.nature.com/articles/ijir201540
Laumann, E. O. et al. (1999)
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https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/188762
Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU)
Sexuelle Funktionsstörungen beim Mann – Patienteninformationen
https://www.urologenportal.de/patienten/erkrankungen/sexuelle-funktionsstoerungen.html
Pro Familia Deutschland
Informationen zu Sexualität, sexuellen Funktionsstörungen und Beratung
https://www.profamilia.de/themen/sexualitaet
Prause, N. & Pfaus, J. (2015)
Viewing Sexual Stimuli Is Associated with Greater Sexual Responsiveness
Sexual Medicine.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2050052115000050
Beatrix Roidinger ist klinische Sexologin, Sexualberaterin und psychologische Beraterin. Sie ist Gründerin von Best Lover, einem Zusammenschluss aus Sexualberater:innen, Sexolog:innen und Urologen. In der Best Lover Academy - dem größten deutschsprachigen Online Coaching Programm - hat sie bereits tausenden Männern bei der Behebung ihrer sexuellen Probleme geholfen.
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