Ratgeber Vorzeitiger Samenerguss – Ursachen, Lösungen & Hilfe
Vorzeitiger Samenerguss gehört zu den häufigsten sexuellen Funktionsstörungen bei Männern und kann das Erleben von Sexualität und Partnerschaft deutlich belasten. Viele Betroffene erleben Stress, und Unsicherheit, sprechen das Thema aber aus Scham lange nicht an. Die sexualtherapeutische Praxis zeigt, dass vorzeitiger Samenerguss zu den Funktionsstörungen zählt, die sich mit geeigneten Methoden gut und schnell beheben lässt. Dieser Ratgeber fasst zusammen, was unter vorzeitigem Samenerguss verstanden wird, welche Ursachen eine Rolle spielen und welche Übungen helfen, die Ejakulation zu kontrollieren.

Ohne vorzeitigen Samenerguss macht das Liebesspiel für beide mehr Spaß.
1. Was ist ein vorzeitiger Samenerguss?
Ein vorzeitiger Samenerguss (medizinisch: Ejaculatio praecox) zählt zu den häufigsten sexuellen Funktionsstörungen. Typisch ist, dass die Ejakulation deutlich früher erfolgt, als es sich beide wünschen und sich kaum oder gar nicht kontrollieren lässt.
Häufig tritt der Samenerguss innerhalb von etwa 30 bis 60 Sekunden nach dem Eindringen auf, also nach den ersten 5 bis 10 Bewegungen. Manchmal kommt es direkt beim Eindringen oder sogar davor zum Samenerguss. Viele Männer empfinden auch ein bis zwei Minuten nach dem Eindringen als deutlich zu kurz.

Unter der Situation leiden
Entscheidend ist jedoch weniger die exakte Dauer, sondern das Gefühl, den Höhepunkt nicht steuern zu können und unter dieser Situation zu leiden.

Wie häufig ist vorzeitiger Samenerguss?
Vorzeitiger Samenerguss ist deutlich weiter verbreitet, als viele Männer glauben. In einer großen, landesweit durchgeführten Online-Studie aus Polen mit 3.001 Männern im Alter von 18 bis 74 Jahren erfüllten – je nach verwendeter Definition – etwa 19 bis 38 Prozent die Kriterien für einen vorzeitigen Samenerguss.
Wie beeinflusst vorzeitiger Samenerguss das sexuelle Erleben?
Ein vorzeitiger Samenerguss kann das sexuelle Wohlbefinden deutlich negativ beeinträchtigen. Viele Männer erleben Frustration, Stress, innere Anspannung oder Unsicherheit. Scham führt oft dazu, dass das Thema nicht angesprochen wird.
Tipp: Wir haben dazu extra Formulierungshilfen entwickelt, um die Situation kommunikativ besser zu meistern, sollte es wieder passiert sein. Hier kannst du sie runterladen:
Tritt vorzeitiger Samenerguss nur bei jungen Männern auf?
Vorzeitiger Samenerguss betrifft nicht nur junge Männer, sondern kann in jedem Alter auftreten. Jüngere erleben ihn häufiger in frühen oder neuen sexuellen Situationen, ältere eher im Verlauf des Lebens und in längeren Beziehungen. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern ob sich ein Muster entwickelt, das über längere Zeit besteht und als belastend erlebt wird.
Formen des vorzeitigen Samenergusses
Medizinisch werden zwei Formen des vorzeitigen Samenergusses unterschieden:
Die Unterscheidung ist hilfreich, um die zugrunde liegenden Ursachen besser einzuordnen und passende Lösungen auszuwählen.
2. Vorzeitiger Samenerguss: Symptome und Warnsignale
Nicht jeder schnelle Orgasmus ist gleich ein vorzeitiger Samenerguss. Entscheidend ist, wie sich dein Erregungsverlauf über einen längeren Zeitraum zeigt und wie sehr die Situation den Mann (bzw. das Paar) belastet.
Was sind typische Anzeichen von vorzeitigem Samenerguss?
Viele Männer mit vorzeitigem Samenerguss berichten über ähnliche Muster:
In der körperorientierten Sexualtherapie beschreibt man das als steilen, schlecht (oder nicht) regulierbaren Erregungsverlauf.
Ab wann wird vorzeitiger Samenerguss zum Problem?
Von einem behandlungsrelevanten vorzeitigen Samenerguss spricht man in der Regel dann, wenn über mehrere Monate:

Vorzeitiger Samenerguss: Anzeichen für psychische Belastung
Hinweise, dass sich ein ungünstiges Erregungsmuster verfestigt, können sein:
Wenn du auch nur eine dieser Fragen mit „Ja“ beantworten kannst, ist das ein deutliches Zeichen, dass dich das Thema belastet. Dann lohnt es sich, aktiv etwas dagegen zu unternehmen.
Eine erotische Situation gestalten
Spätere Abschnitte dieses Ratgebers zeigen dir, wie du deinen Erregungsverlauf im Körper gezielt beeinflussen kannst. Es geht nicht nur darum, länger durchzuhalten, sondern wieder mehr zu spüren und dich freier und entspannter beim Sex zu fühlen. Denn nur dann kannst du eine erotische Situation auch gestalten.
Auswirkungen auf die Beziehung: Vorzeitiger Samenerguss als Belastungsprobe
Viele Frauen brauchen mehr Zeit, um erregt zu werden und einen Orgasmus zu erreichen. Wenn der Samenerguss so schnell einsetzt, endet der Geschlechtsverkehr oft, bevor ihre Erregung richtig aufgebaut ist. Nicht wenige Frauen reagieren dann mit Lustlosigkeit oder ziehen sich sexuell etwas zurück, weil sie selbst nicht auf ihre Kosten gekommen sind.

3. Was sind die häufigsten Ursachen für vorzeitigen Samenerguss?
Ein vorzeitiger Samenerguss hat selten nur eine einzige Ursache. Meist wirken mehrere Faktoren zusammen:
Deshalb ist es wichtig, die individuellen Hintergründe zu verstehen, um gezielt an einer Verbesserung arbeiten zu können.
Hier kannst du schnell und unkompliziert unseren Selbsttest machen, um eine erste Einschätzung zu erhalten, welche Ursachen dein vorzeitiger Samenerguss haben könnte:


Erregungsverlauf im Körper: Wenn Lust „zu schnell“ wird
In der körperorientierten Sexualtherapie geht man davon aus, dass der Körper im Laufe seines Lebens bestimmte Erregungsmuster lernt. Sie hängen damit zusammen,
Beim vorzeitigen Samenerguss zeigt sich oft ein ähnliches Muster:
Erregung baut sich schnell und stark im Becken auf, die Atmung wird flacher und der Körper ist eher angespannt. Die Lust konzentriert sich vor allem im Penis und an der Eichel, statt sich im ganzen Körper zu verteilen. Dann gibt es nur ein kleines Zeitfenster zwischen „angenehm erregt“ und „zu viel“ – und die Spannung entlädt sich als Orgasmus.
Welchen Einfluss hat toxisches Masturbieren auf vorzeitigen Samenerguss?
Eine wichtige Rolle spielt dabei, wie du masturbierst. Viele Männer haben sich über Jahre eine Art „toxisches Masturbieren“ angewöhnt:
So hat dein Nervensystem gelernt: Erregung soll möglichst schnell in einem Orgasmus enden. Feine Abstufungen von Lust, Pausen oder Richtungswechsel kommen kaum vor. Dieses Muster überträgt sich später auf den Partnersex: Der Körper nimmt denselben „schnellen Weg“, den er von der Selbstbefriedigung kennt.

Welche psychische Ursachen führen dazu, dass man zu früh kommt?
Psychische Faktoren spielen beim vorzeitigen Samenerguss fast immer eine Rolle, manchmal als Auslöser, oft als Verstärker.

Leistungsdruck und Versagensangst
Die Sorge, „funktionieren“ zu müssen oder die Partnerin nicht ausreichend befriedigen zu können, kann den Körper in Alarm versetzen. Erregung kippt dann schneller in Spannung und entlädt sich früher.

Stress und Überlastung im Alltag
Wenn dein Nervensystem ohnehin auf Hochtouren läuft, reagiert es auch sexuell schneller und weniger differenziert. Feinabstufungen von Lust werden schwerer spürbar.

Geringe Körper- und Gefühlswahrnehmung
Viele Männer haben gelernt, eher „im Kopf“ zu sein oder bei der Partnerin als im eigenen Körper. Warnsignale wie „es wird zu viel“ werden dann erst sehr spät bemerkt.

Negative sexuelle Erfahrungen
Peinliche Situationen, Kritik, Zurückweisungen oder erste sexuelle Erlebnisse unter Druck können dazu beitragen, dass Sex mit Anspannung verknüpft ist und der Körper versucht, die Situation möglichst schnell „zu beenden“.

Beziehungsdynamiken
Konflikte, unausgesprochene Erwartungen oder fehlende Kommunikation über Wünsche können den Druck im Bett erhöhen.
All das wirkt direkt auf den Erregungsverlauf im Körper: Mehr Stress und Angst bedeuten oft mehr Anspannung und damit weniger Steuerbarkeit.
Welche körperlichen und medizinischen Ursachen gibt es für zu frühes kommen?
Körperliche Ursachen sind seltener die alleinige Erklärung, können den vorzeitigen Samenerguss aber auch beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel:
Auch andere sexuelle Störungen, etwa Erektionsprobleme, können mit einem vorzeitigen Samenerguss zusammenhängen: Aus Angst, die Erektion zu verlieren, „drückt“ der Körper unbewusst auf die innere Turbo-Taste und beschleunigt den Orgasmus.
Wenn du zusätzlich Schmerzen, Brennen, Blut im Urin oder Sperma, starke Veränderungen deines allgemeinen Befindens oder andere körperliche Symptome wahrnimmst, ist eine ärztliche Abklärung wichtig.
4. Welche Lösungen & Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Vorzeitigem Samenerguss?
Vorzeitiger Samenerguss ist kein medizinischer Defekt, sondern ein bestimmtes Zusammenspiel aus Erregungsmodus, Stress und eingeübten sexuellen Gewohnheiten. Genau hier setzt die klinische Sexologie an – und auch das, was wir bei Best Lover machen. Statt nur an der Oberfläche zu arbeiten („Wie halte ich den Orgasmus noch ein paar Minuten zurück?“), geht es darum, Erregung differenziert wahrnehmen zu lernen.
Im Mittelpunkt stehen drei Bereiche:
Anders masturbieren lernen
Verhaltenstechniken und Körperübungen sind die Basis, um deinen Erregungsverlauf zu verändern. Es geht nicht darum, den Orgasmus „wegzudrücken“, sondern Lust anders zu steuern.
Wenn du über Jahre schnell, mit viel Druck und oft vor Pornos masturbierst, trainierst du deinen Körper auf „schnell Spannung aufbauen, schnell entladen“. Um das zu verändern, hilft es, deine Selbstbefriedigung bewusst umzustellen:
So lernt dein Nervensystem: Erregung darf langsamer, breiter und differenzierter werden. Das ist die Grundlage dafür, dass später auch der Partnersex ruhiger und steuerbarer wird.

Erregung in den ganzen Körper bringen
In der klinischen Sexologie geht es darum, Erregung nicht nur im Becken „festzuhalten“, sondern im Körper zu verteilen:
Je mehr dein gesamter Körper beteiligt ist, desto weniger baut sich alle Spannung nur an einem Punkt (dem Genital) auf und desto größer wird der Spielraum vor dem Orgasmus.

Beckenboden- und PC-Muskeltraining
Der Beckenboden steuert den Samenerguss maßgeblich mit. Viele Männer sind dort entweder chronisch angespannt oder haben kaum ein Gefühl dafür.
Hilfreiche Übungen:
Mit der Zeit entwickelst du ein besseres Gefühl dafür, wann sich im Becken zu viel Spannung aufbaut, und kannst aktiver gegensteuern.
Wir bieten für Männer spezialisierte Beckenbodentrainings in unserem Best Lover Inner Circle an.
Start-Stopp-Technik
Die Start-Stopp-Technik eignet sich besonders gut als Übung:
- Stimulation (alleine oder mit Partnerin), bis du merkst: die Erregung steigt deutlich.
- Rechtzeitig stoppen, bevor du den Punkt ohne Wiederkehr (P.O.N.R.) erreichst.
- Warten, bis die Erregung wieder etwas abfällt.
- Wieder starten und erneut beobachten, wie die Erregung ansteigt.
Wichtig ist, dass du deine Erregung besser kennen lernst: Wann steigt sie an? Kannst du zwischen 50% und 70% differenzieren? Kannst du spüren, wenn du bei 90% bist? Bei 95%? Wo wird es zu viel? Wo könntest du früher bremsen?
Squeeze-Technik
Bei der Squeeze-Technik wird der Erregungsanstieg kurzfristig gebremst, indem du oder deine Partnerin den Bereich direkt unterhalb der Eichel oder die Peniswurzel kurz fest zusammendrückt.
Dadurch sinkt der Druck etwas, und du gewinnst wieder mehr Kontrolle. Auch hier steht weniger die „Wundertechnik“ im Vordergrund, sondern das bewusste Erleben von Spannung, Entlastung und Erregungsverlauf.
Lesetipp: Diese Sexstellungen sorgen für mehr Ausdauer im Bett!
Andere Stoßtechniken beim Sex
Viele Männer nutzen beim Sex automatisch ein schnelles, gleichförmiges Stoß- bzw. Bewegungsmuster, ähnlich wie bei der Masturbation. Um den Samenerguss besser zu steuern, helfen:
Diese Techniken sind kein starres „Programm“, sondern Möglichkeiten, wie du deinen Körper neu erleben kannst. Dann bekommst du mehr Einfluss auf deinen Erregungsverlauf.

Sexualtherapeutische Ansätze
Neben den Übungen am Körper geht es in der klinischen Sexologie darum, Erregung, Gefühle und Gedanken wieder in Einklang zu bringen.
Dazu gehört:

Medizinische Optionen
Es gibt medizinische Möglichkeiten, den Samenerguss hinauszuzögern. Diese Optionen können in Einzelfällen sinnvoll sein – etwa vorübergehend oder bei klaren körperlich-medizinischen Ursachen. Als alleinige Lösung verändern sie jedoch nicht, wie du Erregung im Körper wahrnimmst und steuerst.
Lokale Betäubungsmittel
Cremes oder Sprays (Lidocain/Prilocain) mit anästhesierenden Wirkstoffen machen Penis oder Eichel unempfindlicher. Der Penis wird betäubt und die Erregung wird weniger intensiv. Dadurch kann sich der Orgasmus verzögern. Auch werden oft dickere oder/und beschichtete Kondome verschrieben.
Kurzfristig kann das funktionieren, langfristig hält es dich davon ab, deinen Körper kennenzulernen und neue Muster zu entwickeln. Auch die Partnerin kann weniger spüren, wenn Rückstände des Mittels beim Sex übertragen werden. Körperliche Ursachen für vorzeitigen Samenerguss sind zudem eher selten.
Lidocain oder Prilocain setzen am Symptom an, nicht an der Ursache
Aus Sicht der klinischen Sexologie und von Best Lover ist wichtig: Diese Maßnahmen greifen in der Regel am Symptom, nicht an den Ursachen, wie zum Beispiel einem hinderlichen Erregungsmodus. Wenn man den Penis anästhesiert, passiert das Gegenteil von dem, was in unserem Ansatz zentral ist:
Medikamente (z. B. bestimmte Antidepressiva in niedriger Dosierung)
Einige Medikamente können als Nebenwirkung den Samenerguss verzögern und werden deshalb manchmal in niedriger Dosierung dafür eingesetzt. Sie müssen ärztlich verordnet werden und können auch Nebenwirkungen haben (z. B. Müdigkeit, Libidoveränderungen).
Wichtig dabei:
Sie verändern nicht das erlernte Erregungsmuster.
Lesetipp: Medikamente gegen vorzeitigen Samenerguss – Das sind die Optionen
Wann ärztliche Abklärung sinnvoll ist
Trotzdem ist es wichtig, ernstzunehmende körperliche Ursachen nicht zu übersehen. Eine medizinische Abklärung kann sinnvoll sein, wenn:
Unser Fokus bei Best Lover liegt klar auf nicht-medikamentösen Wegen:
Erregungsmuster verstehen, Körperwahrnehmung schulen, Stress regulieren und neue, lustvollere Gewohnheiten aufbauen. Medizinische Maßnahmen können ergänzend geprüft werden – sie ersetzen jedoch nicht die innere und körperliche Lernarbeit, die für eine nachhaltige Veränderung entscheidend ist.

Leseempfehlung: OP gegen zu frühes Kommen
5. Vorzeitigen Samenerguss vorbeugen: Was du im Alltag tun kannst
Vorbeugende Maßnahmen können deinen Erregungsverlauf langfristig stabilisieren und das Risiko für einen vorzeitigen Samenerguss deutlich senken. Vieles, was dir guttut, unterstützt gleichzeitig Nervensystem, Körperwahrnehmung und Sexualfunktion. Entscheidend ist weniger eine „Supermethode“, sondern ein Alltag, der nicht ständig auf Anspannung und „schnell funktionieren“ programmiert ist.
Wichtige vorbeugende Schritte sind:
Regelmäßige Bewegung.
Sie unterstützt Durchblutung, Nervensystem und baut Stress ab.

Ausreichender Schlaf.
Er hilft, Hormone, Erregbarkeit und Nervensystem im Gleichgewicht zu halten.

Bewusster Umgang mit Pornos und Masturbation.
Kein „schnell Druck ablassen“, sondern langsamer, variabler, mit mehr Spüren statt nur Reizen.

Stress reduzieren.
Pausen im Alltag, Atemübungen, Entspannung oder Achtsamkeit senken das Grundanspannungsniveau im Körper.

Körperwahrnehmung und Beckenboden trainieren.
Je besser du Spannung und Entspannung im Becken spürst, desto leichter kannst du deinen Erregungsverlauf steuern.
Diese Maßnahmen verbessern nicht nur deine allgemeine Gesundheit, sondern stärken auch die Fähigkeit, Lust bewusst wahrzunehmen und zu regulieren. Viele Männer erleben, dass kleine Veränderungen im Alltag schon ausreichen können, um ihren Samenerguss besser unter Kontrolle zu haben – und die Effekte der Übungen aus der Behandlung zu stabilisieren.
6. Fazit: Vorzeitiger Samenerguss ist veränderbar
Vorzeitiger Samenerguss ist eine der häufigsten sexuellen Schwierigkeiten überhaupt und kann Männer in jedem Alter betreffen. Meistens entsteht vorzeitiger Samenerguss aus einer Mischung aus Stress, erlerntem Erregungsverlauf, Masturbationsgewohnheiten und emotionalen Faktoren.
Erregungsmuster lassen sich verändern
Die gute Nachricht: Solche Muster lassen sich mit den richtigen Übungen relativ schnell und nachhaltig verändern. Wenn du lernst, deinen Erregungsverlauf und deinen Körper bewusst wahrzunehmen, toxische Gewohnheiten (wie „schnell fertig werden“) durch neue Erfahrungen ersetzt und mit gezielten Körperübungen arbeitest, kann sich dein Sexleben zum Positiven verändern.

Nächste Schritte: Hilfe annehmen und dranbleiben
Wichtig ist: Du musst dich mit deinem vorzeitigen Samenerguss nicht abfinden. Mit dem richtigen Wissen, gezielten Übungen und einer wohlwollenden Haltung dir selbst gegenüber kann sich dein Umgang mit Lust grundlegend wandeln – hin zu mehr Sicherheit, mehr Genuss und einer Sexualität, die sich für dich und deine Partnerin stimmig anfühlt.

Q&A
Oft wird von vorzeitigem Samenerguss gesprochen, wenn der Samenerguss dauerhaft innerhalb von etwa 1–2 Minuten nach dem Eindringen auftritt. Entscheidend ist aber weniger die Stoppuhr, sondern ob du das Gefühl hast, die Ejakulation nicht steuern zu können und darunter leidest.
Vorzeitiger Samenerguss ist in den meisten Fällen gut veränderbar. Vorausgesetzt du setzt dich aktiv mit dir, deinem Erregungsmuster, deinem Stress und deinem Körper auseinander und bist bereit, neue Wege zu gehen.
Du kannst auf jeden Fall lernen, deutlich länger als bisher durchzuhalten. Für viele Männer sind 20 Minuten oder mehr realistisch. Wichtiger als eine fixe Zeit ist aber, dass du deinen Erregungsverlauf besser steuern kannst und dich wohler und entspannter beim Sex fühlst
Ja natürlich. Es ist sogar so, dass wir in einem ersten Schritt empfehlen alle Übungen und Trainingseinheiten alleine zu machen. Dann kannst du dich besser auf dich und deine Empfindungen fokussieren.
Unsere Erfahrung ist, dass die meisten Männer, die wirklich ernsthaft an unserem Trainingsprogramm teilnehmen und alle Übungen absolvieren, bereits nach 2 bis 4 Wochen ihren Orgasmus kontrollieren lernen. Die restlichen Wochen wird diese Fähigkeit dann weiter verfeinert und gefestigt. Vorzeitigen Orgasmus kontrollieren zu lernen, ist das sexuelle Problem, das sich am einfachsten beheben lässt – wenn man weiß wie.
Stress und innerer Druck beschleunigen oft den Erregungsverlauf und machen feine Unterschiede schwerer spürbar. Häufiges „schnelles“ Masturbieren, vor allem mit Pornos, trainiert den Körper zusätzlich darauf, möglichst rasch zu kommen. So entsteht leicht ein Muster, das sich später im Partnersex wiederholt.
Hilfreich sind vor allem: langsameres, bewussteres Masturbieren, Start-Stopp-Übungen, Squeeze-Technik, Beckenboden-Training und eine ruhigere, tiefere Atmung. Ziel ist, deine Erregung differenzierter wahrzunehmen, im Körper zu verteilen und nicht nur gegen den Orgasmus anzukämpfen.
Verzögerungssprays werden auf die Eichel aufgetragen und vermindern die Empfindung, was die Ejakulation verzögern kann. Wir empfehlen diese Methode jedoch nicht. Es ist sinnvoller, an den Ursachen des vorzeitigen Samenergusses zu arbeiten. Ein Mann, der seinen Orgasmus nicht kontrollieren kann, muss lernen, seine Erregung differenzierter wahrzunehmen. Dazu muss er sich besser spüren lernen, nicht weniger.
Die Strategie, den Penis unempfindlicher zu machen, ist daher kontraproduktiv und bietet nur eine kurzfristige Lösung. Langfristig kann die Verwendung solcher Produkte sogar zu Erektionsproblemen führen, da sie die natürliche Empfindung verringern. Es ist besser, Techniken und Übungen zu erlernen, die helfen, die Erregung und den Orgasmus bewusst zu steuern.
Sprich offen und wertschätzend mit ihr darüber, statt dich zurückzuziehen. Ihr könnt das Tempo anpassen, mehr Zeit für Vorspiel und andere Formen von Sexualität einbauen und gemeinsam Übungen ausprobieren.
Nutzt die Situation als Chance, euch bewusster mit eurer Sexualität zu beschäftigen, eine gemeinsame Sprache für Lust, Bedürfnisse und Grenzen zu finden und spielerisch neue, experimentellere Wege im Bett zu gehen – weg vom reinen Fokus auf Penetration und „funktionieren“.
Sinnvoll ist Unterstützung, wenn das Problem über mehrere Monate besteht, dich belastet, du Sex vermeidest oder alleine nicht weiter kommst. Auch wenn zusätzlich Stress, Scham, Beziehungsprobleme oder andere sexuelle Schwierigkeiten dazukommen, ist eine sexualtherapeutische Begleitung hilfreich.
Betäubungsgels können den Samenerguss zwar vorübergehend hinauszögern, weil Penis und Eichel weniger empfindlich werden – sie bekämpfen aber nur das Symptom.
Aus sexualtherapeutischer Sicht sind sie deswegen kontraproduktiv: Du kannst deinen Erregungsverlauf noch schlechter unterscheiden und kannst so erst recht nicht lernen, deine Lust/Erregung bewusst zu steuern. Außerdem kann auch deine Partnerin weniger fühlen, wenn etwas von dem Gel auf sie übergeht.
Hilfreich sind ein stressärmerer Alltag, ausreichend Schlaf und Bewegung, ein bewusster Umgang mit Pornos und achtsame Masturbation. Wenn du die gelernten Körperübungen (Atmung, Beckenboden, Erregung im ganzen Körper) beibehältst und offen mit deiner Partnerin bleibst, stabilisiert sich dein Erregungsverlauf meist dauerhaft.
7. Quellen
Roidinger, Beatrix (2023): Best Lover. So spürst du mehr, steuerst besser deine Lust und fühlst dich freier beim Sex.
Goldegg Verlag, Wien.
Selbsthilfebuch für Männer, das sexologisches Hintergrundwissen mit vielen Übungen verbindet. Im Fokus stehen Körperwahrnehmung, Erregungsverlauf, Umgang mit Stress und Leistungsdruck sowie praktische Schritte hin zu einer freieren, lustvolleren Sexualität.
Sztenc, Michael (2020): Embodimentorientierte Sexualtherapie. Grundlagen und Anwendung des Sexocorporel.
Schattauer / Klett-Cotta, Stuttgart.
Fachbuch für Therapeut:innen, in dem Sztenc den embodimentorientierten Ansatz in der Sexualtherapie beschreibt. Es erklärt das Sexocorporel-Modell, den Zusammenhang von Körper, Erregungsverlauf und Sexualität und zeigt, wie Sexualtherapie konkret körperbezogen gestaltet werden kann.
Sztenc, Michael (2019): Klappt’s? Vom Leistungssex zum Liebesspiel – ein Übungsbuch für Männer.
Hirzel Verlag, Stuttgart.
Praxisorientiertes Übungsbuch für Männer, die weg wollen vom leistungsorientierten Sex hin zu mehr Genuss, Spürfähigkeit und Selbstvertrauen. Mit vielen anschaulichen Erklärungen, Alltagsbeispielen und praktischen Übungen zu Erregung, Körperwahrnehmung, Beziehung und männlicher Sexualität.
Przydacz, M., Chlosta, M., Rajwa, P. & Chlosta, P. (2023).
Population-level prevalence, effect on quality of life, and treatment behavior for erectile dysfunction and premature ejaculation in Poland. Scientific Reports, 13, 13168.
Online-befragung von 3.001 polnischen Männern zwischen 18 und 74 Jahren, repräsentativ für Alter und Wohnort. Die Studie erfasst, wie häufig Erektionsstörungen und vorzeitiger Samenerguss auftreten, wie stark die Lebensqualität darunter leidet und wie viele Männer tatsächlich Hilfe suchen. Je nach Definition lag die Häufigkeit von vorzeitigem Samenerguss zwischen ca. 19 und 38 %. Viele Betroffene berichteten über Einschränkungen der Lebensqualität, aber nur ein kleiner Teil war in Behandlung.
Link: https://www.nature.com/articles/s41598-023-39968-9
Tamás, S., et al. (2024).
Prevalence of Premature Ejaculation: A Narrative Review of the Literature. Sexes, 5(4), 43.
Übersichtsarbeit, die internationale Studien zur Häufigkeit von vorzeitigem Samenerguss zusammenfasst. Je nach Messmethode, Definition und untersuchter Population schwanken die Angaben deutlich. Insgesamt zeigen die Autoren, dass ein relevanter Anteil der Männer (häufig im Bereich von etwa 5–20 %) von einem vorzeitigen Samenerguss betroffen ist und dass standardisierte Fragebögen wie der PEDT dabei helfen, die Diagnose zu vereinheitlichen.
Link: https://www.mdpi.com/2411-5118/5/4/43
Beatrix Roidinger ist klinische Sexologin, Sexualberaterin und psychologische Beraterin. Sie ist Gründerin von Best Lover, einem Zusammenschluss aus Sexualberater:innen, Sexolog:innen und Urologen. In der Best Lover Academy - dem größten deutschsprachigen Online Coaching Programm - hat sie bereits tausenden Männern bei der Behebung ihrer sexuellen Probleme geholfen.













