Libidoverlust durch Antidepressiva: Was du wissen solltest
Antidepressiva können die Stimmung heben - aber auch die sexuelle Lust senken. Viele Männer berichten von weniger Verlangen, Erektionsproblemen oder weniger intensiven Orgasmen. Woran liegt das? In diesem Blogbeitrag erfährst du, warum Antidepressiva auf die Libido wirken, welche Medikamente besonders betroffen sind - und was du tun kannst, um deine Lust zurückzugewinnen.

Zwischen Erleichterung und Ernüchterung: Antidepressiva helfen, rauben aber oft die Lust.
Was sind Antidepressiva?
Antidepressiva sind Medikamente, die vor allem bei Depressionen verschrieben werden – aber auch bei Angststörungen, Zwangsstörungen, chronischen Schmerzen oder Schlafproblemen.
Sie beeinflussen bestimmte Botenstoffe im Gehirn und sollen helfen, Stimmung, Antrieb und emotionale Stabilität zu verbessern. Botenstoffe, auch Neurotransmitter genannt, sind chemische Substanzen, über die Nervenzellen im Gehirn miteinander kommunizieren.
Allerdings berichten viele Männer von einer unerwünschten Nebenwirkung: Die Lust auf Sex nimmt ab.

Warum sinkt die sexuelle Lust durch Antidepressiva?
Viele Antidepressiva – insbesondere die SSRI – erhöhen gezielt den Serotoninspiegel im Gehirn. SSRI steht für „selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer“. Diese Medikamente sorgen dafür, dass mehr Serotonin im Gehirn verfügbar bleibt. Serotonin ist ein Botenstoff, der unter anderem für Stimmung, Schlaf, Appetit und auch für die sexuelle Funktion eine Rolle spielt.

Das Problem: Ein Übermaß an Serotonin kann andere wichtige Neurotransmitter aus dem Gleichgewicht bringen – vor allem Dopamin (entscheidend für Lust und Motivation) und Noradrenalin (wirkt anregend und unterstützt sexuelle Erregung).
Zusätzlich können SSRI die Produktion von Stickstoffmonoxid (NO) hemmen. Dieser körpereigene Stoff ist wichtig für die Gefäßerweiterung und die Durchblutung – auch im Genitalbereich. Ein niedriger NO-Spiegel kann deshalb zu Erektionsstörungen oder einem verminderten Erregungsempfinden führen.
Häufige sexuelle Nebenwirkungen durch Antidepressiva bei Männern
In einer Studie mit über 1.000 Patienten berichteten 59 % über sexuelle Funktionsstörungen.
Bei SSRI waren es sogar 57–73 %.

Welche Medikamente deine Lust bremsen –
und welche kaum Einfluss haben
Die Depression selbst nimmt die Lust
Es sind nicht immer nur die Medikamente, die Einfluss auf die Libido haben – auch die Depression an sich kann das Verlangen deutlich verringern. 40–50 % der Männer mit Depression berichten schon vor Beginn einer medikamentösen Behandlung über sexuelle Probleme.
Warum beeinflusst eine Depression die Lust?
Eine Depression wirkt sich auf das gesamte Energiesystem aus. Das betrifft nicht nur die Motivation für Arbeit und Alltag, sondern eben auch das sexuelle Verlangen. Viele Männer fühlen sich während einer depressiven Phase nicht attraktiv oder begehrenswert.

Dieses negative Selbstbild kann sich stark auf das sexuelle Selbstvertrauen und die Lust auswirken. Dazu kommt häufig eine tiefe emotionale Erschöpfung. Man fühlt sich leer, überfordert, gereizt oder gleichgültig – in einem solchen Zustand bleibt oft kein Raum für sexuelles Begehren.
Veränderte Lust heißt nicht: keine Lust
Vielleicht kennst du das Gefühl von früher: Die Lust kam wie von selbst. Diese sogenannte spontane Lust ist unter Antidepressiva oft abgeschwächt – oder bleibt ganz aus.
Was viele Männer nicht wissen: Auch eine reaktive Libido, also Lust, die durch Berührung, Fantasie oder Zuwendung entsteht, ist völlig normal. Man muss nicht automatisch „scharf“ sein, damit Sexualität erfüllend sein kann.
Lust kommt oft nicht spontan. Für Lust kann man sich entscheiden.
Und Sex kann so vieles sein: Nähe, Entspannung, Zärtlichkeit, Spiel, Verbindung. Wer darauf wartet, dass die Lust „wie früher“ plötzlich von selbst kommt, wartet oft vergeblich – besonders in einer depressiven Phase.
Der Appetit kommt beim Essen:
Manchmal kommt mit sinnlichen Berührungen und aktivem Gestalten zumindest der Genuss zurück. Vielleicht nicht gleich die große Lust – aber zumindest ein gutes Gefühl im Körper. Und daraus kann wieder mehr entstehen.
Zum allgemeinen Thema Lustlosigkeit beim Mann lies auch unseren Blogbeitrag: “Sexuelle Unlust beim Mann”
Was passiert nach dem Absetzen von Antidepressiva?
In den meisten Fällen normalisiert sich die Libido nach dem Absetzen – manchmal sofort, manchmal mit Verzögerung. Einige Männer berichten über anhaltende Probleme, das sogenannte Post-SSRI Sexual Dysfunction (PSSD). Das solltest du ernst nehmen.
Aber kein Grund zur Panik, denn:
Libidoverlust: Nicht nur Antidepressiva – auch Testosteron spielt eine Rolle
Antidepressiva allein sind nicht immer der einzige Grund für Libidoverlust. Gerade bei Männern ab Mitte 40 kann ein natürlicher Testosteronabfall die Wirkung noch verstärken.
Wie du einen Testosteronmangel erkennen und ausgleichen kannst, erfährst du in unserem Blogbeitrag “Warum hat dein Testosteronspiegel mehr mit deinem Sexualleben zu tun, als du denkst?“
6 Schritte, wie du deine Libido zurückgewinnen kannst
Du bist mit diesem Problem nicht allein – und du kannst etwas tun:
Wenn Lust fehlt: Nähe entsteht auch im Gespräch
Viele Männer ziehen sich zurück, wenn die Lust fehlt. Doch das führt schnell zu Missverständnissen oder Unsicherheit in der Beziehung. Ein ehrliches Gespräch über das, was gerade schwierig ist, kann Nähe schaffen. Selbst, wenn gerade kein Sex stattfindet. Sexualität ist mehr als Penetration. Und sie beginnt oft mit einem Gespräch.
Fazit: Libidoverlust durch Antidepressiva? Das muss nicht so bleiben
Viele Männer erleben Libidoverlust durch Antidepressiva und schweigen. Doch du musst das nicht einfach hinnehmen. Sprich das Thema offen bei deinem Arzt oder deiner Ärztin an, um ggf. die Dosis anzupassen oder das Medikament zu wechseln.
- Sprich mit deiner Partnerin.
- Oder mach ein Coaching, um neue Wege zur Lust zu entdecken.–> Deine Libido kann zurückkommen.Wenn du dich bewusst mit dir selbst und mit deiner Sexualität auseinandersetzt, wirst du dich auf jeder Ebene besser fühlen. Am Ende wirst du auch mehr Spaß in der Sexualität haben. Nimm´ also die Krise als Chance für eine neue Begegnung mit dir selbst.